{"id":2517,"date":"2022-08-20T19:03:00","date_gmt":"2022-08-20T17:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/strukturpolitik.org\/?p=2517"},"modified":"2026-01-26T13:42:05","modified_gmt":"2026-01-26T12:42:05","slug":"gfs-jahrestagung-2022-in-der-emscher-lippe-region-am-19-20-august","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/strukturpolitik.org\/?p=2517","title":{"rendered":"GfS-Jahrestagung 2022 am 19. \/ 20. August: Regionale Innovationspolitik und soziale Lage in der Emscher-Lippe Region \u2013 Auf der Suche nach Auswegen aus regionalen Krisenkreisl\u00e4ufen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>20 Mitglieder und G\u00e4ste folgten der Einladung dorthin, wo trotz des massiven jahrzehntelangen strukturpolitischen Engagements noch keine Trendwende zum Positiven erkennbar ist. Eine Jahrestagung im Spannungsbogen zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Strukturpolitik.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Emscher-Lippe-Region im n\u00f6rdlichen Ruhrgebiet ist in den vergangenen Jahrzehnten erheblich vom Strukturwandel betroffen gewesen. Besch\u00e4ftigungsabbau, Arbeitslosigkeit, sinkendes Steueraufkommen und steigende Belastungen der kommunalen Haushalte verdichten sich zu einer sich selbst verst\u00e4rkenden Krisenspirale, der mit den g\u00e4ngigen strukturpolitischen Instrumenten nur schwer zu entgehen ist. Von daher stand im Mittelpunkt des Workshops die Frage, wie wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Ziele in der Strukturpolitik so miteinander verkn\u00fcpft werden k\u00f6nnen, dass sie sich in ihren positiven Wirkungen verst\u00e4rken. Dazu geh\u00f6rt auch die Frage, wie die k\u00fcnftig vermehrt verf\u00fcgbaren strukturpolitischen Mittel zielgerichtet eingesetzt und zum Aufbau langfristig wirksamer Institutionen und Infrastrukturen genutzt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1200\" data-attachment-id=\"2675\" data-permalink=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/?attachment_id=2675\" data-orig-file=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-scaled.jpg\" data-orig-size=\"2560,1920\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.2&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;SM-G970F&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1660921911&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;1.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;50&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0007183908045977&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"20220819_151150\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-1600x1200.jpg\" src=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-1600x1200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2675\" srcset=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-1600x1200.jpg 1600w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-300x225.jpg 300w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-768x576.jpg 768w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_151150-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Vor den Resten des nie fertig gestellten F\u00f6rderprojektes &#8222;Horizontalobservatorium&#8220; auf der Halde Hoheward<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im ersten Block am Freitagnachmittag standen innovations- und wirtschaftspolitische Themen im Mittelpunkt. Joachim Beyer stellte im Geb\u00e4ude des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/wasserstoffstadt-herten.de\" target=\"_blank\">Wasserstoff-Kompetenzzentrums in Herten<\/a> die Region sowie die von ihm geleitete <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.emscher-lippe.de\" target=\"_blank\">WiN EMSCHER-LIPPE GmbH<\/a> vor (<a href=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/202208PraesentationGfS2022-1.pdf\" data-type=\"attachment\" data-id=\"2699\">Vortragsfolien hier herunterladen<\/a>). Die WiN ist seit 1990 mit dem Ziel aktiv, regionale Vernetzungen von Personen und Organisationen im n\u00f6rdlichen Ruhrgebiet zu organisieren. Sie versteht sich als regionale Klammer und Koordinator der kommunalen Wirtschaftsf\u00f6rderungen und als Schnittstelle zur Business Metropole Ruhr GmbH und zu den Kammern. Zahlreiche ihrer Aufgaben erf\u00fcllt sie seither \u00fcberwiegend im Rahmen von F\u00f6rderpro\bjekten und sie wirbt erfolgreich um F\u00f6rdergelder f\u00fcr Akteure in der Region. Zwar weist die Region in den letzten Jahren endlich ein stetiges Wachstum auf. Doch \u00e4ndert der unterdurchschnittliche Anstieg  sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigter nichts daran, dass die soziale Schere gegen\u00fcber anderen Regionen weiterhin auseinander geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Stefan G\u00e4rtner best\u00e4tigte die prek\u00e4re Situation insbesondere bezogen auf das akademische Potenzial. Die wenigen \u00fcberregional herausragenden Wirtschaftsbereiche wie die fr\u00fchkindliche Bildung sind zumeist Teile der selbstverst\u00e4ndlichen Basisversorgung der Region. Er ist daher unsicher, inwiefern die \u00fcbliche strukturpolitische Idee des &#8222;St\u00e4rken st\u00e4rken&#8220; hier nutzbar gemacht werden kann. Im Rahmen des demographischen Wandels k\u00f6nnten die \u00fcberdurchschnittlich vielen jungen Menschen als Vorteil gesehen werden. Angesichts des unterdurchschnittlichen Bildungsstands wird dies jedoch kurzfristig kaum helfen, Unternehmen mit Fachkr\u00e4ftemangel an den Standort zu binden.<\/p>\n\n\n\n<p>Babette Nieder von der WiN betrachtet Wasserstoff als ein zuk\u00fcnftiges Wachstumsfeld, f\u00fcr das die Region bereits fr\u00fcher als andernorts Infrastrukturen und Netzwerke aufgebaut hat. Seit  1938 existiert eine leistungsf\u00e4hige Wasserstoff-Pipeline und seit 2008 das Anwendungszentrum  in Herten. F\u00fcr einen vermuteten Markthochlauf bis 2030 wurde eine planerische Roadmap erstellt. Im Erfolgsfall w\u00fcrde danach keine Wasserstoffkoordination mehr gebraucht, weil die Unternehmen ein valides Gesch\u00e4ftsmodell haben, mit dem sie ohne Subventionen Geld verdienen k\u00f6nnen. In 12 St\u00e4dten sind 55 Vorhaben projektiert. Kernstrategie ist das Aussch\u00f6pfen von Skaleneffekten, f\u00fcr die man sich infrastrukturell gut aufgestellt sieht. Schliesslich geht es bei der Infrastruktur vor allem um die gute Anbindung an Starkstrom (dank der Kraftwerksinfrastruktur) und Gas- und Produktpipelines, an die Fernw\u00e4rme und an die Verbundwirtschaft. Z.B. Schaffung eines Kohlenstoffkreislaufs und Nutzung der Abw\u00e4rme und des Sauerstoffs bei der Erzeugung von Wasserstoff \u2013 beides funktioniert nicht bei einem Windpark auf dem Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Sven Wardenburg von der Firma <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.agiplan.de\" target=\"_blank\">Agiplan<\/a> stellt ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Fraunhofer Institut f\u00fcr Materialfluss und Logistik vor: &#8222;Chancen der Digitalisierung f\u00fcr die Wirtschaftsstruktur in der Emscher-Lippe-Region&#8220;. Einer St\u00e4rken-Schw\u00e4chen-Analyse der Region folgte ein Abgleich mit einer Markt- und Trendanalyse. Daraus wurden drei Zukunftsfelder abgeleitet: Vernetzte Produktion in KMU, Zirkul\u00e4re Wertsch\u00f6pfung und Smart Energy. Einzelne Bausteine dieser Zukunftsfelder wurden mit einem Zielsystem inklusive Handlungsfeldern zur Umsetzung hinterlegt. Er zog das Fazit, dass der \u00fcberdurchschnittliche Ressourcenverbrauch der regionalen Wirtschaft eine Chance f\u00fcr eine Neuausrichtung der Unternehmen sein kann. Bei der praktischen Umsetzung sei man allerdings von fachlichen Kompetenzen au\u00dferhalb der Region abh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p>Nils Westerveld von der WiN erg\u00e4nzte, dass Nachhaltigkeit nicht nur die Energiewende betrifft. &#8222;Wenn wir die Klimakrise begrenzen wollen, kommen wir an Circular Economy nicht vorbei&#8220;. Das laufende Projekt &#8222;Prosperkolleg&#8220; konnte bislang f\u00fcnf unternehmerische F\u00f6rderprojekte anregen. Ausschlaggebend ist dabei nicht unbedingt der F\u00f6rderanreiz: W\u00e4hrend zirkul\u00e4re Wertsch\u00f6pfung z.B. bei Unternehmen im Bereich Metallverarbeitung seit 40 Jahren als Wettbewerbsvorteil nicht wegzudenken ist, ist das Aufschlie\u00dfen neuer Unternehmen entweder wegen coronabedingter Auftragseinbr\u00fcche oder wegen der guten Auftragslage schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p>Andrea Hoppe fasste die Gespr\u00e4chsbeitr\u00e4ge mit eigenen Kommentaren zusammen: CO2-Minderung geht \u00fcber den Energiewandel hinaus und kann sich in zus\u00e4tzlicher  Wertsch\u00f6pfung oder Einspareffekten auswirken. Idealerweise binden sich die institutionellen Aktivit\u00e4ten in \u00fcbergeordnete Prozesse mit einem eigenen Ankerpunkt ein. So m\u00fcsse man die Wasserstoff-Produktion und den Verbrauch zusammendenken. Gleiches gilt f\u00fcr das Thema Circular Economy. Trotz der noch nicht abgeschlossenen Potenzialidentifikation erscheint es wichtiger, schnell in eine unternehmerische Umsetzung zu kommen um einen stimulierenden Impuls f\u00fcr den gesamten Markt zu geben. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Diskussion wurde zun\u00e4chst hinterfragt, warum in der Region die Verteilung von extern beschafftem Wasserstoff eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als die eigene Produktion von erneuerbaren Energien und die Umwandlung in Wasserstoff spielt. Im weiteren Verlauf ging es um die institutionelle Einbettung in NRW-Aktivit\u00e4ten im Bereich zirkul\u00e4re Wertsch\u00f6pfung. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"1200\" data-attachment-id=\"2674\" data-permalink=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/?attachment_id=2674\" data-orig-file=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-scaled.jpg\" data-orig-size=\"1920,2560\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;SM-G970F&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1660917911&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.32&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;50&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.00099800399201597&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"20220819_140511\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-900x1200.jpg\" src=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-900x1200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2674\" srcset=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-900x1200.jpg 900w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-225x300.jpg 225w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-768x1024.jpg 768w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_140511-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Historische &#8222;F\u00f6rder&#8220;-Ruine auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Zeche Ewald<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Einzelne Teilnehmende erwarten zuk\u00fcnftig einen infrastrukturellen Schwerpunkt bei strukturpolitischen Ma\u00dfnahmen, die eine gr\u00f6\u00dfere Dimension je Einzelvorhaben aufweisen als sie bislang z.B. in den Arbeitsmarkt- und Innovationsf\u00f6rderprogrammen hatten. Angesichts der finanziellen Gr\u00f6\u00dfenordnungen stellt sich die Frage, ob man sich dann noch das Risiko von F\u00f6rderruinen leisten kann. Weitere Teilnehmende attestierten allerdings sogar erfolglosen F\u00f6rderprojekten noch relevante Wirkungen: Es gebe Beispiele von Unternehmen, die wegen spezieller Demonstrator-F\u00f6rderprojekte in die Region kamen und trotz des gescheiterten Innovationsvorhabens geblieben sind. Hintergrund des Misserfolgs von F\u00f6rderungen sei h\u00e4ufig, dass zukunftstr\u00e4chtige Themen eigentlich  l\u00e4nger als \u00fcber die \u00fcblichen kurzen F\u00f6rderzeitr\u00e4ume bearbeitet werden m\u00fcssten.  Hinzu kommt, dass eine schwache Region eben auch eine schwache \u00f6ffentliche Verwaltung mit geringen M\u00f6glichkeiten zum Aufbringen der finanziellen Eigenanteile aufweist. Investitionsruinen gibt es auch regelm\u00e4\u00dfig in der freien Wirtschaft,  z.B. durch nicht vorhersehbare Effekte wie Corona oder den Ukraine-Krieg. Grunds\u00e4tzlich braucht es immer Mut, Investitionen zu t\u00e4tigen &#8211; sowohl privat als auch \u00f6ffentlich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1200\" data-attachment-id=\"2672\" data-permalink=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/?attachment_id=2672\" data-orig-file=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-scaled.jpg\" data-orig-size=\"2560,1920\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.2&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;SM-G970F&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1660942102&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;1.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;640&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.05&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"20220819_204822\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-1600x1200.jpg\" src=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-1600x1200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2672\" srcset=\"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-1600x1200.jpg 1600w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-300x225.jpg 300w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-768x576.jpg 768w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220819_204822-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Am Freitagabend fand wie gewohnt unsere Mitgliederversammlung in einem CoWorking-Space in Gelsenkirchen statt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil des Workshops ging es Samstag vormittags im Wissenschaftspark Gelsenkirchen um \u201eRegionale Krisenkreisl\u00e4ufe: Auswege aus der Falle?\u201c Den Ausgangspunkt der Diskussion bildete ein Vortrag von Mark Rosendahl, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DGB-Region Emscher Lippe zum Thema \u201ePerspektiven einer pr\u00e4ventiven Strukturpolitik\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mark Rosendahl machte deutlich, dass pr\u00e4ventive Sozialpolitik breit zu verstehen ist. Jugendarbeit, Sozialeinrichtungen, Sportvereine und Kulturpolitik, etwa Bibliotheken oder Theater, sind zentrale Bestandteile einer auf Integration und Teilhabe ausgerichteten Sozialpolitik. Das Problem besteht darin, dass es sich hierbei um freiwillige kommunale Aufgaben handelt, die in Zeiten von Haushaltsengp\u00e4ssen einem K\u00fcrzungsdruck unterliegen. Ein solcher Haushaltsengpass ergibt sich in der Emscher Region durch die Schere zwischen steigenden Transferausgaben einerseits und sinkenden Steuereinnahmen andererseits. Eine Erh\u00f6hung der Gewerbesteuer ist zum Beispiel kontraproduktiv, da dies die Attraktivit\u00e4t des Standorts f\u00fcr Unternehmen verringert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus richtet Mark Rosendahl den Blick auf Bildung und Gesundheit als Schl\u00fcssel einer pr\u00e4ventiven Sozialpolitik. Er verweis etwa darauf, dass in Gelsenkirchen fast f\u00fcnfzig Prozent der Kinder in SGB II Haushalten aufwachsen, dass ein enger Zusammenhang zwischen Gesundheitsproblemen und Langzeitarbeitslosigkeit besteht oder auf die Problematik der Sprachkompetenz bei Zuwanderern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Instrument, diesen Kreislauf auf der individuellen Ebene zu durchbrechen, ist der soziale Arbeitsmarkt (\u00a716i SGB II), ein Instrument, das nicht nur von sozialen Tr\u00e4gern, sondern auch von privaten Unternehmen genutzt wurde und in rund einem Drittel der F\u00e4lle einen erfolgreichen Anschluss an den regul\u00e4ren Arbeitsmarkt erm\u00f6glicht hat. F\u00fcr die Kommunen besteht unter den gegebenen Bedingungen keine M\u00f6glichkeit, die Abw\u00e4rtsspirale zu durchbrechen, auch wenn die Philosophie der Finanzaufsicht davon ausgeht, dass die Kommunen selbst an dieser Entwicklung schuld sind. Ein Ausweg zeigt sich nur, wenn die Sozialen Transferkosten vom Bund \u00fcbernommen und auch die Altschulden aufgefangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Diskussion trug weiter Aspekte der Problemanalyse zusammen: begrenzte soziale Mobilit\u00e4t im Bildungssektor, fehlende Zivilgesellschaft, Grenzen einer zeitlich begrenzten Projektf\u00f6rderung, fehlende Kapazit\u00e4ten zum Einwerben von F\u00f6rdermitteln. Konsequenterweise wurde in der Umwidmung von F\u00f6rdermitteln in Steuermittel ein wichtiger Beitrag zur Probleml\u00f6sung gesehen. Andere L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge wie die Einrichtung freier Wirtschaftszonen wurden kontrovers diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Martin Hennicke wies in seinem Impuls f\u00fcr die Anschlussdiskussion noch einmal darauf hin, dass im Umgang mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet zwar viel erreicht wurde, dass dabei aber auch viele Menschen zur\u00fcckgelassen wurden, ein Aspekt, der nicht allein f\u00fcr das Ruhrgebiet zutrifft. Sein Ausgangspunkt bildete die \u00dcberlegung, die mit Problemen verbundenen Chancen zu betrachten. Aus dieser Perspektive sah er in dem Facharbeiterengpass einen Ansatzpunkt, der durch ein regionales Talent- und Fachkr\u00e4fteentwicklungsprogramm genutzt werden sollte, wobei kurzfristige Ma\u00dfnahmen etwa im Feld der Reintegration und der Qualifizierung und mittel- bzw. langfristige Ma\u00dfnahmen wie Ausbau der Hochschule, Einrichtung von Brennpunktschulen oder Vernetzung auf Quartiersebene zusammenspielen sollten. F\u00fcr die Finanzierung eines solchen Modellprojektes w\u00e4re das Land zust\u00e4ndig, wobei deutlich wurde, dass ein derartig ambitioniertes Projekt nur als Modellprojekt sinnvoll ist, das Ergebnisse und Vorgehensweisen erarbeitet, die auch in anderen Regionen nutzbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vorschlag stie\u00df auf breite Zustimmung, wobei die Diskussion dann um das passende Format (Vorbild etwa IBA, Innovation City oder Regionale) und um den Zuschnitt (eng auf Facharbeiter*innen bezogen, breit auf soziale Lage bezogen) kreiste.<\/p>\n\n\n\n<p>An beiden Tagen gab es wie \u00fcblich wieder viel Raum f\u00fcr Diskussion und zum Netzwerken.&nbsp;<strong>Herzlichen Dank an die Referentinnen und Referenten f\u00fcr die gew\u00e4hrten Einblicke und die Bereitschaft zum intensiven Austausch!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20 Mitglieder und G\u00e4ste folgten der Einladung dorthin, wo trotz des massiven jahrzehntelangen strukturpolitischen Engagements noch keine Trendwende zum Positiven erkennbar ist. 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