{"id":2745,"date":"2022-10-20T22:00:00","date_gmt":"2022-10-20T20:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/strukturpolitik.org\/?p=2745"},"modified":"2024-02-04T13:59:21","modified_gmt":"2024-02-04T12:59:21","slug":"gfs-stammtisch-am-20-10-2022-unser-thema-clusterpolitik-rueckschau-regionale-und-sektorale-wirtschaftsfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/strukturpolitik.org\/?p=2745","title":{"rendered":"Unser Thema am 20. Oktober 2022: Clusterpolitik \u2013 R\u00fcckschau \u2013 regionale und sektorale Wirtschaftsf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im Mittelpunkt unseres Stammtisch-Treffens im Caf\u00e9 Museum Duisburg stand die Frage, was mit der Clusterpolitik erreicht werden sollte und was daraus geworden ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wulf Noll, bis 2017 Abteilungsleiter \u201eWirtschaftspolitik\u201c im NRW Wirtschaftsministerium, blickte zur\u00fcck und unterschied drei Phasen der Clusterpolitik in NRW. Bis 2010. In den 1990er Jahren finden sich die Wurzeln der Clusterpolitik in der Kritik der regionalisierten Strukturpolitik. Angesichts der weitgehend identischen regionalen Entwicklungskonzepte sollte st\u00e4rkeres Gewicht auf die spezifische sektorale Profilbildung gelegt werden. Die ersten Projekte hatten experimentellen Charakter und erfolgten unterhalb der politischen Wahrnehmungsschwelle. R\u00fcckblickend sieht Wulf Noll zwei Schwachstellen der Clusterpolitik in diesen ersten Jahren, die auch in den folgenden Jahren pr\u00e4gend blieben. Erstens erfolgte die sektorale Orientierung eher an den traditionellen Branchen als an Wertsch\u00f6pfungsketten. Zweitens wurde wesentlich mehr Wert auf Kooperation zwischen den Unternehmen als auf Wettbewerb gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zeit zwischen 2000 und 2005 sieht Noll die Clusterpolitik als Kompensation f\u00fcr den Wegfall der regionalisierten Strukturpolitik. Wesentlich wurde das Gutachten von Roland Berger als Ausgangspunkt f\u00fcr den Wachstums- und Besch\u00e4ftigungspakt, auch im Rahmen der GRW wurde die F\u00f6rderung von Clusterinitiativen dann erm\u00f6glicht. Die dem Wachstums- und Besch\u00e4ftigungspakt zugrunde liegende Branchenstruktur sieht Noll r\u00fcckblickend eher als reaktiv, nicht als strategisch ausgerichtet an.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Jahren zwischen 2005 und 2010 wurde Clusterpolitik dann zum Schl\u00fcsselkonzept der Strukturpolitik, wobei mit dem Konzept \u201eSt\u00e4rken st\u00e4rken\u201c der Ausgleichsgedanke der Strukturpolitik in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wurde. Kernelemente der Clusterpolitik in diesen Jahren waren die thematische Konzentration sowie die in diesen sektoralen Themenfeldern durchgef\u00fchrten F\u00f6rderwettbewerbe. Kritisch wird von Noll gesehen, dass mit der Ausrichtung auf landesweite Cluster eine Ausschlie\u00dflichkeit erfolgte, die die regionalen Cluster in den Hintergrund der politischen Aufmerksam verdr\u00e4ngte.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Henze, Leiter der Abteilung \u201eWirtschaftsf\u00f6rderung\u201c im Wirtschaftsministerium NRW, nah den Faden auf und machte deutlich, dass nach 2010 Clusterpolitik sukzessive als politisches Strategie verschwunden ist, und im neuen Koalitionsvertrag taucht \u201eCluster\u201c nicht mehr auf. Er bezweifelteauch, dass es jeweils eine Clusterpolitik gegeben hat, die diesen Namen verdient.&nbsp; &nbsp;Cluster, Kompetenzzentren oder Innovationsnetzwerke sind eine Vielzahl kaum zu unterscheidender und strategisch kaum fassbare Begriffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterhin stellte Michael Henze die drei f\u00fcr ihn zentralen Dimensionen der Strukturpolitik dar. Hierbei handelt es sich um die r\u00e4umliche Ebene, die von den sp\u00e4ten 1980er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre im Mittelpunkt stand, um eine Ausrichtung an Zielgruppen (IHK, Wirtschaftsf\u00f6rderer, KMU, Gr\u00fcnder) die in der zweiten H\u00e4lfte der 1990er Jahre im Mittelpunkt stand, in j\u00fcngster Zeit auch wieder an Bedeutung gewonnen hat, und die sektorale Ausrichtung an Branchen, Technologien und Clustern, die f\u00fcr die 2000er Jahre im Mittelpunkt stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Hiervon ausgehend veranschaulichte er die These, dass Strukturpolitik sich immer schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf einer dieser drei Dimensionen verankert, wobei immer die Gefahr besteht, dass sich die Akteure und Institutionen in diesen Dimensionen verfestigen. Von daher erscheint es sinnvoll, die Ausrichtung auf die jeweilige Dimension nach einer gewissen Zeit neu zu justieren bzw. zu wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Matthias Kiese, Professor f\u00fcr Humanwissenschaften am Geographischen Institut der RuhrUniversit\u00e4t Bochum, verwies darauf, dass Clusterpolitik auf unterschiedlichen Ma\u00dfstabsebenen mit spezifischen Dynamiken, aber auch Interdependenzen stattfindet. Als nachhaltigen Haupteffekt kommunaler und regionaler Clusterpolitik (bzw. clusterorientierter Wirtschaftsf\u00f6rderung) sieht er die strategische Ausrichtung (Fokussierung) und Professionalisierung der Wirtschaftsf\u00f6rderung. Allerdings wurden aus Legitimations- und Mobilisierungsgr\u00fcnden unrealistische Ziele definiert, die nicht realisiert werden konnten und das Clusterkonzept in Politik und Verwaltung besch\u00e4digt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die diversen Strategiewechsel in der Clusterpolitik \/(erst &nbsp;bottom-up-Erfolgsstories (K\u00f6ln, Dortmund), dann Top-down-Policy-Diffusion (EU-F\u00f6rderperiode 2007-2013), dann intelligente Spezialisierung), f\u00fchrten zu einer Inflation und Verw\u00e4sserung der &nbsp;Clusterpolitik. Mittlerweile ist nicht mehr von Clustern die Rede, sondern die \u00d6kosystem-Metapher ist f\u00fcr regionale Innovations- und Start-up-Systeme en vogue, eine Metapher, die mehr verschleiert als erkl\u00e4rt und falsche Analogien herstellt, nach Matthias Kiese eine gef\u00e4hrliche Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich, so sein Fazit, f\u00fchren r\u00e4umliche und zeitliche Inkongruenzen wie auch politische Koordinationsprobleme zu dem Schluss, dass Cluster und Politik nicht zusammenpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend verwies Matthias Kiese auf neue Herausforderungen f\u00fcr Clusterpolitik durch die Missionsorientierung der Innovations- und Strukturpolitik, ein Aspekt, der dann auch im Mittelpunkt der Diskussion stand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mittelpunkt unseres Stammtisch-Treffens im Caf\u00e9 Museum Duisburg stand die Frage, was mit der Clusterpolitik erreicht werden sollte und was daraus geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":439,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[15,25],"class_list":["post-2745","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungen","tag-stammtisch","tag-leitmarkt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/strukturpolitik.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/WP_20150226_13_39_22_Pro.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9D9ML-Ih","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2745"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3083,"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2745\/revisions\/3083"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/439"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/strukturpolitik.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}