Unser Thema: Stand der Ausrichtung der neuen EU-Förderperiode

Martin Hennicke startete mit einem Rückblick auf die EU-Strukturfonds.  Er kam u.a. zu der Einschätzung, dass das Kernziel der Kohäsion bis heute nicht erreicht wurde. Disparitäten sowohl zwischen den EU-Mitgliedsstaaten als auch in NRW, insbesondere im Ruhrgebiet, sind kaum messbar abgebaut worden. Seit jeher werden die Mittel durch die Länder verwaltet, die sie als eine Art „Ersatzhaushalt“ ansehen mit einem viel zu breiten wenig zielführendem Mitteleinsatz. Positiv zu werten sei jedoch der EU-Anspruch gegenüber den Mitgliedstaaten,  ihre Förderstrategien aus Analysen abzuleiten. Das habe es in Deutschland vorher so nicht gegeben.

Vor diesen Hintergründen hatte eine GFS-Arbeitsgruppe letztes Jahr ein Positionspapier erstellt. Dessen Kernforderung der thematischen Konzentration der Gelder erscheint vor dem Hintergrund multipler Ressorts auf EU-Ebene genauso wie in NRW wenig durchsetzbar.

Der neue EU-Haushalt wird gemäss der Kommissionsvorschläge im Mai infolge des Brexit niedriger ausfallen. Die auf Deutschland entfallenden Strukturfondsmittel werden wahrscheinlich um etwa ein Fünftel gekürzt. In den meisten deutschen Regionen werden sich die EU-Fördersätze wahrscheinlich von 50 % auf nur noch 40 % reduzieren. Ein Regelwerk für alle Fonds könnte u.a. einen Single Audit vorsehen, bei dem nur noch eine Prüfinstanz z. B. auf der Ebene der Mitgliedstaaten verantwortlich wäre (größere Rechtssicherheit). Die Strukturfonds würden sich inhaltlich auf fünf Ziele ausrichten.

Dieter Rehfeld ergänzte einige Trends bei der Erarbeitung des künftigen Forschungsrahmenprogramms „Horizon Europe“. Erkennbar ist, dass die Leitgedanken „Transition“ und „Missionsorientierte Innovationspolitik“ eine zentrale Rolle spielen werden. In diesem Zusammenhang stehen auch Änderungen wie die Ausweitung der Förderberechtigten wie gemeinwirtschaftliche oder Sozialunternehmen an. Weiterhin wird in den künftigen Projekten noch mehr Wert auf die Auswirkungen (Impact), auf die Veröffentlichung und breite Diffusion der Ergebnisse (Open Science), auf Bürgerbeteiligung (Responsible Research and Innovation) sowie auf die Nutzung der Ergebnisse in anderen Förderprogrammen gelegt werden.

Diese Veränderungen führen dazu, die bisherigen Innovationsstrategien auch in NRW zu überdenken. So wäre eine Hinwendung zu einer stärker nachfrageorientierten Innovationspolitik anstelle vieler kleinteiliger Innovationsvorhaben sinnvoll. Mit einer Missions-Orientierung könnte man eigene Schwerpunkte z.B. im Rahmen einer stärkeren Regionalisierung innerhalb von NRW setzen; dies wäre instrumentell  etwa mit den bisher in NRW nicht genutzten Integrierten territorialen Investitionen (ITI) zu unterfüttern.

Die neun Teilnehmenden diskutierten am 18. September 2018 im  Unperfekthaus Essen u. a. was die kommenden Änderungen für das Ausgleichs- und Wachstumsziel bedeuten und ob eine Harmonisierung der Regelungen noch eine ungleiche Behandlung ungleicher Dinge ermöglicht. Vor dem aktuellen Hintergrund der Umbrüche im Energiesektor (u. a. Strukturkommission Kohle zum Kohle-Ausstieg, Elektromobilität) wurde der Gedanke einer Konzentration der Gelder in NRW auf die Energiewende kontrovers erörtert.

Unser Thema: Arbeitsorientierte Forschung und Beratung in Zeiten der Digitalisierung

Wir erleben wie die Vernetzung von Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette traditionelle Geschäftsprozesse und Arbeitsmodelle in Frage stellt und teilweise neu „erfunden“ werden. Treiber sind eine Vielzahl von innovativen Technologien in unterschiedlichen Bereichen wie Datenverarbeitung, Internet, Optronik, Sensorik, Robotik, 3D-Druck, additive Fertigung etc., die in ihrer Kombination zu einer weitergehenden Automatisierung von Fertigungsprozessen und einer Verschiebung von Tätigkeiten führen. Sie sind nicht nur Auslöser für neue, „smarte Produkte“ und Dienstleistungen, sondern auch für ganz neue Geschäftsmodelle mit mehr Kundennähe und Flexibilität.

Auch wenn durch Wachstum und neue Märkte auch positive Arbeitsplatzeffekte zu erwarten sind, muss man davon ausgehen, dass durch die Veränderungsprozesse der Druck auf etablierten Beschäftigungsmuster in mehrfacher Hinsicht wachsen wird: Dies geschieht

  • aufgrund eines kontinuierlichen Wegfalls von Arbeitsplätzen in Produktion und Verwaltung,
  • durch Entwertung von Qualifikationen und Kompetenzen mit Blick auf bestimmte Tätigkeiten und Bereiche,
  • aufgrund gleichzeitig steigender Anforderungen an technisches Wissen und digitale Kompetenz im Umgang mit neuen Technologien in anderen Bereichen, sowie
  • durch eine weitere Entkopplung von Arbeitsort und Unternehmen, verbunden mit einer größeren Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Jörg Weingarten stellte diese Aspekte in seinem Impulsvortrag vor und hob darauf ab, dass viele Entwicklungen in ihren Konsequenzen noch unklar und schwer zu interpretieren sind. Daher steigt einerseits das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse zu den Chancen und Auswirkungen der Digitalisierung, hier insbesondere in der akteursübergreifenden Wissensproduktion im sogenannten Modus 2. Gleichzeitig erhöht sich der Stellenwert richtungsweisender Konzepte einer nachhaltigen Arbeitsplatzentwicklung, zu Fragen der Qualifizierung, des Datenschutzes etc. Für die Arbeitswelt sind Erkenntnisse (aus der arbeitsorientieren Forschung) und Konzepte (für die arbeitsorientierte Beratung) zur Entwicklung, Begleitung und Gestaltung der Digitalisierung in betrieblichen Kontexten erforderlich.

Die Debatte im Teilnehmerkreis führte dann u.a. zu praktischen Fallbeispielen und konkreten Gestaltungschancen am Arbeitsplatz (etwa über Betriebsvereinbarungen), zu Fragen der Ethik der Digitalisierung, zu weiteren Forschungsaspekten und zu den Chancen und Risiken für die natürlichen Ressourcen.

Unser Thema: Zirkuläre Wirtschaft

Der Begriff der „Kreislaufwirtschaft“ verkürzt den Kreislaufgedanken allein auf den Aspekt der Abfallvermeidung. Darüber hinausgehende Vorteile vieler kreislauforientierter Produkte und Geschäftsmodelle werden international unter den Begriffen „Circular Economy“ und „Cradle to Cradle“ seit ein paar Jahren diskutiert.

Reinhold Rünker, ständiger Vertreter der Abteilungsleitung  Wirtschaftspolitik im NRW-Wirtschaftsministerium, stellte am 12. April ein darauf aufbauendes industriepolitisches Innovationskonzept vor, das produktorientiert als „Zirkuläre Wertschöpfung“ bezeichnet wird (PDF-Download der Präsentation). Dies zielt insbesondere auf einen höheren qualitativen Anspruch an die Produkte  ab wie z.B. neue Funktionen oder eine längere Lebensdauer damit der Spagat zwischen den Zielen des wirtschaftlichen Wachstums, des gesellschaftlichen Wohlstands und der nur begrenzt verfügbaren Ressourcen gelingen kann. Verwendete Werkstoffe sollen am Ende des Produktzyklus wieder in neue Produktionsprozesse eingebracht werden können. Das erfordert neue Designanforderungen, neue Werkstoffe und Produktionsverfahren, die durch die disruptiven Technologien wie Digitalisierung oder Additive Fertigung unterstützt werden.

Die kurze Darstellung einzelner Projekt- und Produktbeispiele (s. u.a.  Potenzialanalyse einer zirkulären Wertschöpfung im Land Nordrhein – Westfalen ; PDF-Download von www.wirtschaft.nrw) leitete zur Diskussion über. Die elf Teilnehmenden im Haus des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW erörterten insbesondere die Frage, ob hier ein Marktversagen vorliegt. Und falls ja, ob der Staat eher durch Anreizsysteme wie Förderungen, durch die Berücksichtigung bei eigenen Auftragsvergaben oder nur durch gesetzliche Regulierungen einen Fortschritt erreichen kann. Deutlich wurde, dass nicht alle Produkte gleichermaßen für die zirkuläre Wertschöpfung geeignet erscheinen.

Wie geht es in NRW weiter? Wenn alles gut läuft, wird mit Landesförderung ein regionales Kompetenzzentrum zur zirkulären Wertschöpfung in Bottrop aufgebaut. Dort untersucht die Hochschule Ruhr-West derzeit, wie man die mittelständische Wirtschaft in NRW unterstützen kann, Produkte, Verfahren und ganze Wertschöpfungsketten umzugestalten.

Unser Thema: Neue Ansätze zur Unterstützung der Elektromobilität und Digitalisierung in NRW

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Alexandra Landsberg leitete am Beispiel der Region Ruhr und der Innovationsregion Rheinisches Revier die besonderen Schwerpunkte der aktuellen NRW-Strukturpolitik her. Dazu gehört weiterhin die Inwertsetzung vorhandener Stärken. Der Fokus auf Digitalisierung soll einen Anstoß zur beschleunigten Modernisierung der NRW-Wirtschaft geben um mittelfristig Wachstumsimpulse auszulösen.

Andrea Hoppe ging auf den zu erwartenden Wandel in der Automobilwirtschaft und die räumlichen Folgen des veränderten Mobilitätsverhaltens ein. In urbanen Räumen lassen sich verkehrsträgerübergreifende Konzepte gut ausprobieren. Elektromobile sind – so die These – ein wesentlicher Schlüssel für eine emissionsarme, vernetzte und digitale Mobilität. Die Brücke in eine klimagerechte und emissionsfreie Zukunft stellt mit Blick auf die Mobilität die größte Herausforderung dar. Nicht überall wird die Lösung Strom sein. Andere Energieträger werden benötigt und Mobilität wird viel stärker als in der Vergangenheit in integrierten Konzepten gedacht werden müssen. Exemplarisch skizzierten sie und Dagmar Grote-Westrick die wesentlichen Unterschiede in den vier Gewinnerstädten im Sonderförderbereich „Emissionsfreie Innenstadt“ des Projektaufrufs Kommunaler Klimaschutz.

14 Teilnehmende fanden sich am 20. März 2018 im Vamps Düsseldorf ein.  Sie führten die Gedanken der Referenten fort, u.a. die Frage wie man aus den vorhandenen  oder veränderten Forschungs- und Gründungsunterstützungsstrukturen neue digitale Geschäftsmodelle hervorbringen könnte. Oder ob der derzeit noch umstrittene ökologische Gesamtnutzen der Elektromobilität durch andere Vorteile wie Gesundheit wett gemacht wird.

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