Coronabedingt abgesagt bzw. unbestimmt verschoben: Kooperationsveranstaltung „Soziale Infrastruktur als gesellschaftspolitisches Konzept“ (ursprünglichlich 5. November 2020)

Im Jahr 2021 beabsichtigen wir einen erneuten Anlauf für den Workshop gemeinsam mit dem Gerhard Weisser Institut im Wissenschaftspark Gelsenkirchen.

Die gesellschaftspolitische Bedeutung sozialer Infrastruktur (bzw. öffentlicher Güter) wird nach Jahren ökonomischer Vereinnahmung (Privatisierung, Kostensenkung, Konjunkturprogramme usw.) wieder sichtbar. Es ist mittlerweile (wieder) deutlich, dass soziale Infrastruktur von zentraler Bedeutung für die Gestaltung von Lebenslagen und für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist und die Herausforderungen deutlich über eine reine Ausweitung der finanziellen Ressourcen hinausgehen.

Der Workshop soll dazu beitragen, das Konzept sozialer Infrastruktur bzw. die damit verbundene Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure zu schärfen und künftige Handlungsfelder herauszuarbeiten. Hierzu sollen zwei einleitende Vorträge die Impulse geben. Eine sich daran anschließende Diskussion zielt darauf ab, Perspektiven für eine gesellschaftspolitische Fundierung und sich daraus ergebende Reformperspektiven herausarbeiten.

Programm

17.00 – 17.15Begrüßung (Elmar te Wildt, Dieter Rehfeld)
17.15 – 17.45Soziale Infrastruktur und Teilhabechancen (René Böhme, Institut Arbeit und Wirtschaft, Universität Bremen)
17.45 – 18.15Zivilgesellschaftliche Akteure und soziale Infrastruktur (Georg Mildenberger, Centrum für soziale Investitionen, Universität Heidelberg)
18.15 – 18.30Pause
18.30 – 20.00Abschlussdiskussion, Input: Stefan Gärtner, Institut Arbeit und Technik, WH Gelsenkirchen, Gesellschaft für Strukturpolitik
Moderation: Dieter Rehfeld, Gerhard Weisser Institut

Der Workshop soll als Präsenzveranstaltung stattfinden, max. 25 Teilnehmende. Aufgrund der Corona- Rahmenbedingungen ist eine verbindliche Anmeldung ( rehfeld@iat.eu ) notwendig. Sollte das Interesse größer sein als die Zahl der Teilnehmenden, wird es ermöglicht, weitere Teilnehmende über Zoom einzubinden.

Kooperationsveranstaltung: „Gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland“

Prof. Stefan Siedentop und Elmar te Wildt begrüssten die 10 Teilnehmenden am 12.09.2019 in den Räumen des ILS NRW in Dortmund . Anlass war der sozioökonomische Disparitätenbericht 2019 (Download hier aus dem Angebot von www.fes.de) des ILS im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung .

Prof. Siedentop fasste die Inhalte der Studie zusammen (s. Präsentation als Download hier). Aus 42 repräsentativen Indikatoren wurden im ersten Schritt zehn besonders repräsentative herausgesucht. Diese führten zur kartographischen Darstellung von fünf räumlichen Clustern auf Kreisebene in der gesamten BRD.

Seit dem letzten Bericht aus dem Jahr 2015 ergeben sich neue Entwicklungen: Stabile Wirtschaft, Fluchtmigration, Reurbanisierung und wachsende Armut. Daraus entsteht eine „doppelte Polarisierung“: 14 Mio. Menschen leben in Regionen mit schweren Strukturproblemen (Verschuldung, Infrastrukturdefizite und Abwanderung) und gleichzeitig gibt es Regionen mit ausgeprägten Wachstumsproblemen (Zuwanderung, Wohnungsnot, Infrastrukturausbau, etc). Bei den Untersuchungen erwiesen sich einzelne Indikatoren als besonders prägnant, die zu einer Verfestigung von Disparitäten führen:

  • Stadt-Land-Gefälle: Trotz hoher Akademikerquote ist Kinderarmut insbesondere ein städtisches Phänomen. Wanderungsgewinne betreffen vor allem das Umland von Großstädten (außer altindustrielle Standorte). Bei der Breitbandversorgung sind alle verdichteten Regionen bevorteilt.
  • Nord-Süd/West-Ost-Gefälle: Insgesamt sind viele Indikatoren im Süden günstig ausgeprägt. Dies betrifft insbesondere die Lebenserwartung, die in Ostdeutschland besonders niedrig ist. Ähnlich sieht es bei der kommunalen Investitionstätigkeit aus, wobei hier Teile Nordwestdeutschlands noch unter dem niedrigen Niveau Ostdeutschlands liegen.

Vor diesen Hintergründen kommt die Studie zu folgenden Empfehlungen:

  • Gleichwertige Lebensverhältnisse als Staatsziel formulieren
  • Indikatorbasierte Verteilung der Staatsausgaben
  • Kummunen bei der Entschuldung und den Sozialausgaben entlasten
  • Erreichbarkeit in dünn besiedelten Räumen verbessern
  • Besseres/beständigeres Monitoring statt eines Raumordnungsberichtes nur alle paar Jahre

In einer lebendigen Diskussion zwischen allen Teilnehmenden trafen die meisten Empfehlungen auf breite Zustimmung. Zunächst wurde jedoch festgestellt, dass es auch Regionen gibt, die wie das Emsland in den 80er Jahren nun nicht mehr als besonders strukturschwach gelten. Partizipation und Zivilgesellschaft alleine sind sind auf diesem Weg keine ausreichenden Lösungsmittel. Sondern Kommunen müssten mit mehr Personal wieder in die Lage versetzt werden, z.B. Strukturförderungs-Mittel abzurufen. Die Qualität von Indikatoren wurde umfassend erörtert. Sie ist nicht immer geeignet, um darauf basierende Entscheidungen zur Mittelverteilung zu treffen. Die als stark empfundenen Disparitäten innerhalb von NRW sind im internationalen Vergleich eher noch gering. Gleichwertige Lebensverhältnisse bedeuten zudem nicht das Ziel von identischen Räumen.

Herzlichen Dank an Prof. Siedentop und das ILS NRW!

Frühjahrstagung 2018: Gleichwertige Lebensbedingungen, endogene Potenziale und bürgerschaftliches Engagement. Was muss der Staat (noch) leisten?

Am 19. Januar fanden das Frühjahrstreffen und am 20. Januar die 11. GfS-Mitgliederversammlung statt.  Rund 30 Teilnehmende und Referenten kamen in der Silvio Gesell Tagungsstätte in Wuppertal zusammen und nutzten die Gelegenheit, sich mit dem Thema in Vorträgen und Diskussionen aus der jeweils individuellen beruflichen Perspektive auseinanderzusetzen.

Hier geht es zum Programm (PDF).

Impressionen

Frühjahrstagung:

Mitgliederversammlung:

Unser Thema: soziale Prävention

Mit sozialer Prävention verbinden sich verschiedene Ziele, die von der Verbesserung der Teilhabe an Bildung und Gesellschaft bis zur Entlastung der öffentlichen Haushalte geht. In 18 Modellkommunen hat das Landesvorhaben „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor (KeKiZ)“ seit etwa 3 Jahren Veränderungen im Präventionsangebot in Gang gesetzt.

Regina von Görtz und Frank Osterhoff informierten im Essener Unperfekthaus über das Vorhaben und erörterten die wichtigsten Forschungserkenntnisse aus der Begleitevaluation der Bertelsmann Stiftung. Martin Hennicke kommentierte aus Sicht des Landes NRW. Zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten die Erklärungsansätze für Benachteiligung („auf die Adresse kommt es an“), erfolgreiche Präventionsstrategien im sozialen Nah-Umfeld betroffener Familien („ungleiches ungleich behandeln“) sowie die Messbarkeit der gesellschaftlichen und fiskalischen Erfolge von sozialer Prävention („Prävention braucht einen langen Atem“).